Eingruppierung der Mitarbeiter des Zentralen Objektschutzes

Neue Entscheidung des LAG Berlin:

Nachdem das Bundesarbeitsgericht in den „Pilotverfahren“  zur Eingruppierung der Mitarbeiter des Zentralen Objektschutzes der Berliner Polizei (ZOS) in den beiden dortigen Revisionsverfahren  die Sachen jeweils zu weiterer Verhandlung und Entscheidung an das Landesarbeitsgericht zurückverwiesen hatte,  hat nun das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg in einem dieser Verfahren (vertreten durch die Kanzlei Dr. Weberling) entschieden, dass der dortige Kläger gemäß der von ihm ausgeübten Tätigkeit in die Entgeltgruppe 6 TV-L eingruppiert ist und das beklagte Land die Differenzbeträge zwischen der bisherigen Entgeltgruppe und der Entgeltgruppe 6 nachzahlen muss. Die Revision wurde nicht zugelassen (11 Sa 593/16). Die Entscheidungsgründe liegen noch nicht vor.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, das Land Berlin kann nach Vorliegen der Urteilsgründe noch Nichtzulassungsbeschwerde zum Bundesarbeitsgericht erheben, um eine erneute Zulassung der Revision zu erreichen. Allerdings sind die Erfolgsaussichten dafür gering.

Hier ist aber zu beachten:

Der Kläger des jetzt erneut entschiedenen Falles war bereits seit 1999 beim ZOS und also langjährig bei Geltung des alten BAT tätig, der noch den sog. „Bewährungsaufstieg“ kannte. Diesen hat das LAG bei ihm zugrunde gelegt (BAT VII nach VI b, neunjährige Bewährung). Das führt in dem entschieden Fall dazu, dass der Kläger in die EG 6  TV-L überzuleiten war. Dabei hat das LAG aber nur „gründliche Fachkenntnisse“ bejaht, nicht auch „vielseitige“. Ebenso in dem von uns vertretenen Fall, der jetzt am 5.12.2018 neu verhandelt wird.

Bei den Mitarbeitern des ZOS, die nicht so lange unter der Geltung des BAT beschäftigt waren, dass zum Zeitpunkt der Überleitung in den TV-L bereits ein neunjähriger Bewährungsaufstieg erfüllt war,  wird daher „nur“ eine Eingruppierung nach EG 5 zum Tragen kommen, auch das aber ist ein deutlicher Erfolg.

Es gibt noch zwei weitere Pilotverfahren: ein weiteres Verfahren beim LAG Berlin-Brandenburg bei einer anderen Kammer, bei dem es aber nur noch um die EG 5 geht (Verhandlung am 5.12.2018), nachdem diese Kammer zuvor die EG 6 abgelehnt hatte und die Revision zum BAG nicht zugelassen hatte (unser Zulassungsantrag blieb ohne Erfolg) sowie ein weiteres Verfahren beim Bundesarbeitsgericht, bei dem es um die EG 8 geht (Verhandlung am 27. Februar 2019).

Nach Vorliegen der Urteilsbegründung(en) und Rechtskraft der weiteren Urteile werden wir die derzeit ruhend gestellten Klageverfahren wieder aufrufen.

Diejenigen Mitarbeiter des ZOS, deren Eingruppierungsklagen beim Arbeitsgericht Berlin eingereicht sind und nach Verjährungsverzicht der Gegenseite noch ruhen, müssen derzeit nichts unternehmen.

Denjenigen, die bisher (z.B. aus Kostengründen) keine Eingruppierungsklage erhoben haben oder bei denen der Rechtsweg leider ohne Erfolg voll ausgeschöpft wurde, ist zu empfehlen, dass sie ihre Ansprüche auf korrekte Eingruppierung und Zahlung der Differenzvergütung  (vorsorglich erneut) nach § 37 TV-L  beim Arbeitgeber schriftlich geltend machen (Entgeltgruppe E 8 TV-L, hilfsweise nach Entgeltgruppe E 6 TV-L).

Über den weiteren Fortgang der Pilotverfahren werde ich Sie an dieser Stelle informieren.

Zum bisherigen Verfahrensgang:

In zwei Verfahren hatten wir jeweils einen Teilerfolg beim LAG Berlin Brandenburg erzielt: In einer von unserer Kanzlei vertretenen Sache hatte das LAG einem nach der EG (Entgeltgruppe) 4 TV-L eingruppierten Mitarbeiter die EG 5 zugebilligt, gründliche Fachkenntnisse also bejaht, nicht jedoch die EG 6 (vielseitige Fachkenntnisse). In einem von der Kanzlei RA Dr. Weberling geführten Verfahren hatte eine andere Kammer des LAG einem  (zuvor in die EG 5 übergeleiteten) Mitarbeiter die EG 6 TV-L zuerkannt, also sowohl gründliche als auch vielseitige Fachkenntnisse bejaht. Das Bundesarbeitsgericht hatte beide Urteile aufgehoben und zurückverwiesen. Die jetzt vorliegende positive Entscheidung des LAG betrifft das von der Kanzlei Dr. Weberling vertretene Verfahren, das weitere wird am 5. Dezember 2018 verhandelt.

Das Bundesarbeitsgericht hatte die Begründungen des Landesarbeitsgerichts hinsichtlich der gründlichen Fachkenntnisse als nicht ausreichend erachtet, es fehle an den erforderlichen Feststellungen zu der auszuübenden Tätigkeit im Bezugszeitraum.  Auch habe  das LAG nur das qantitative Element der gründlichen Fachkenntnisse geprüft, es fehle die Prüfung des  qualitativen Elements. Zu der Frage „vielseitiger Fachkenntnisse“ hat sich das BAG bisher nicht geäußert.